Walfang


Walfang
Wal|fang 〈m. 1u; unz.〉 das Fangen von Walen ● den \Walfang verbieten; \Walfang treibende / walfangtreibende Länder

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Wal|fang, der <o. Pl.>:
Fang von Walen:
auf W. gehen.

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Walfang,
 
die gewerbsmäßige Jagd auf Wale, Zweig der Meeresfischerei. Während Wale früher v. a. ihres Fettes (Walöl) und Fischbeins (Bartenwale) wegen gejagt wurden, wird heute der ganze Wal (Fleisch, Knochen, innere Organe, Blut) verwertet. Hauptanreiz für den Walfang ist dabei der profitable Handel mit dem als Delikatesse geltenden Walfleisch.
 
Eine Walfangflotte besteht aus einem Mutterschiff zur Verarbeitung der Wale und bis zu 25 Fangbooten. Die Walfangboote (Walfangschiffe) sind 20-40 m lange, wendige Fischereifahrzeuge mit einer starken Maschinenanlage und einer auf dem Vorschiff befindlichen Harpunenkanone zum Harpunieren aus meist 20-50 m Entfernung. Zum Töten des Wals werden Granatharpunen mit einem Sprengsatz, der im Walkörper explodiert, verwendet, oder elektrische Harpunen mit Stromzuführung über die Leine. Der erlegte Wal wird mit Druckluft aufgepumpt, um ein Absinken zu verhindern, zum Wiederauffinden markiert und später zum Walfangmutterschiff geschleppt, einem Fabrikschiff mit bis zu 36 000 t Tragfähigkeit und 650 Besatzungsmitgliedern Durch eine Öffnung im Heck wird der Wal über eine Aufschleppe auf das Flens- oder Schlachtdeck gehievt, wo er mit Messern, Sägen und Winden zerlegt (geflenst) wird. Die weitere Verarbeitung erfolgt unter Deck in Trankochern u. a. Spezialanlagen (Erzeugung von Öl als Rohstoff, Verarbeitung von Walfleisch als Nahrungsmittel oder als Mehl für Viehfutter, Gewinnung von Hormonen und Vitamin A aus inneren Organen). Zur vollständigen Verwertung eines Wals benötigen moderne Mutterschiffe nur etwa eine Stunde.
 
Der Walfang wird seit dem Mittelalter betrieben und breitete sich ab dem 16. Jahrhundert im Nordatlantik (Island, Neufundland) aus. Seine Blütezeit hatte der arktische Walfang (»Grönlandfahrt«) Ende des 17. Jahrhunderts, im 19. Jahrhundert ging er nach Dezimierung der Bestände stark zurück. Gleichzeitig erlangte der Walfang im Südatlantik und -Pazifik große Bedeutung. 1904 wurde eine erste (norwegische) Landstation in der Antarktis zur Tranverarbeitung errichtet, ab 1925 wurden die ersten Walfangmutterschiffe mit eigenen Walkochereien zur sofortigen Verarbeitung auf See eingesetzt. Die damit verbundene enorme Produktionssteigerung hatte zur Folge (1930/31 wurde mit 579 120 t 60-mal mehr Walöl produziert als fünf Jahre zuvor), dass die Walölpreise sanken und die Walfänger übereinkamen, ein Jahr lang nicht auszufahren und Kontrollmechanismen einzuführen. In den folgenden Jahren begannen jedoch Japan (1934) und Deutschland (1936) mit dem Walfang in der Antarktis, 1939 jagten dort 34 Fang- und Mutterschiffe aus sechs Staaten.
 
1946 wurde die Internationale Walfangkommission (IWC) gegründet; sie stellte die Restpopulationen der Grau-, Glatt- und Buckelwale in der Antarktis unter Schutz, erließ Vorschriften (Wale mussten eine bestimmte Größe haben; Walweibchen mit Jungen durften nicht getötet werden) und legte jährliche Fangquoten fest; diese Maßnahmen konnten den Rückgang der Walbestände jedoch nicht verhindern. Ab 1975 wurden daher Wale in die Kategorien »geschützt«, »bedingt jagdbar« und »jagdbar« eingeteilt; da sich der industrielle Fang nur noch bei Zwergwalen lohnte, zogen sich viele Nationen aus dem Walfang zurück. 1982 erließ die IWC ein fünfjähriges Walfangmoratorium, das 1986 in Kraft trat und seit 1991 jährlich verlängert wird; dieses Moratorium ist eingeschränkt und erlaubt den Walfang zu »wissenschaftlichen Zwecken«. Norwegen hat - unter internationalem Protest - 1993 entschieden, den kommerziellen Walfang (von Zwergwalen) wieder aufzunehmen, da der Zwergwal verantwortlich sei für den Rückgang der Fischbestände im Nordatlantik (tatsächlich v. a. eine Folge der Überfischung in den letzten Jahrzehnten). Um den Schutz der Wale zu verstärken, wurde im Dezember 1994 eine Fläche von etwa 21 Mio. km2 rund um die Antarktis zum Walschutzgebiet erklärt. Dennoch fängt Japan Wale in der Schutzzone. Insgesamt töten japanische Walfänger jährlich über 400 und norwegische Walfänger jährlich etwa 600 Zwergwale (1999 wurden 1078 Tiere gemeldet). Der Vorschlag zur Schaffung einer 12 Mio. km2 großen Wal-Schutzzone im Südpazifik, konnte auch im Jahr 2001 nicht die erforderliche 3/4 Mehrheit in der der IWC finden.
 
 
R. Hunter u. R. Weyler: Rettet die Wale. Die Fahrten der Greenpeace (a. d. Engl., Neuausg. 1983);
 J. Münzing: Der histor. W. in Bildern (1987);
 R. Ellis: Mensch u. Wal. Die Gesch. eines ungleichen Kampfes (a. d. Amerikan., 1993);
 G. Pohl-Apel: Der Wal-Kampf muß ein Ende haben, in: WWF-Journal (1993),
 
H. 4.

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Wal|fang, der <o. Pl.>: Fang von Walen: Einschränkende Bestimmungen gelten nicht für jene küstennah lebenden Völker, die seit jeher einen traditionellen W. mit Wurfspeeren betrieben haben (FAZ 24. 7. 96, N3); W. treibende Nationen; auf W. gehen.

Universal-Lexikon. 2012.

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